Isang Yun (1917 – 1995)

Werke:
  • Pezzo fantasioso per due strumenti con basso ad libitum (1988)
  • Monolog für Bassklarinette (1983)
Konzerte:

12. Okt DIE WITWE DES SCHMETTERLINGS

Als Isang Yun 1917 in der Nähe der süd­öst­li­chen Hafen­stadt Ton­gyông gebo­ren wurde, stand die korea­ni­sche Halb­in­sel unter japa­ni­scher Fremd­herr­schaft. Yun betei­lig­te sich am anti-japa­ni­schen Wider­stand, wurde 1943 ver­haf­tet und gefol­tert. Mit dem Kul­tur­preis der Stadt Seoul (1955) aus­ge­zeich­net, konnte er 1956 – 59 in Paris und Berlin stu­die­ren. In Berlin lernte er bei dem Schön­berg-Schü­ler Josef Rufer das Kom­po­nie­ren. Von Deutsch­land aus fand er den Anschluss an die inter­na­tio­na­le Avantgarde.

Viel beach­tet wurde 1965 das bud­dhis­ti­sche Ora­to­ri­um Om mani padme hum; mit der Urauf­füh­rung des Orches­ter­stücks Réak in Donau­eschin­gen gelang 1966 der inter­na­tio­na­le Durch­bruch. 1967 vom süd­ko­rea­ni­schen Geheim­dienst nach Seoul ent­führt und gefol­tert wurde Yun des Lan­des­ver­ra­tes ange­klagt. In einem poli­ti­schen Schau­pro­zess in erster Instanz zu lebens­läng­li­cher Haft ver­ur­teilt, kam er nach inter­na­tio­na­len Pro­tes­ten 1969 frei. 1971 wurde er deut­scher Staatsbürger.

Von 1970 bis 1985 lehrte Yun Kom­po­si­ti­on an der Hoch­schu­le der Künste Berlin, seit 1974 als Pro­fes­sor. Sein OEuvre umfaßt mehr als hun­dert Werke, dar­un­ter vier Opern sowie meh­re­re Instru­men­tal­kon­zer­te. In den acht­zi­ger Jahren ent­stan­den fünf große, zyklisch auf­ein­an­der bezo­ge­ne Sym­pho­ni­en. Aus dieser Zeit stam­men auch seine Kam­mer­mu­sik­wer­ke, die durch das Stre­ben nach Har­mo­nie und Frie­den gekenn­zeich­net sind. Ver­söh­nung auf der korea­ni­schen Halb­in­sel war zugleich sein poli­ti­sches Ziel.

Das OEuvre Isang Yuns ist geprägt vom fle­xi­blen, leben­di­gen Ton der tra­di­tio­nel­len Musik seiner Heimat. In seinen Werken ver­schmel­zen aller­dings Öst­li­ches und West­li­ches zu einem sin­gu­lä­ren Per­so­nal­stil, der Kunst des glei­ten­den Über­gangs aus dem Geiste des Tao.

Isang Yun starb 1995 in Berlin. Er war Mit­glied der Aka­de­mi­en der Künste in Ham­burg und Berlin sowie der Aca­de­mia Sci­en­tiar­um et Artium Euro­paea in Salz­burg, Ehren­mit­glied der Inter­na­tio­na­len Gesell­schaft für Neue Musik, Ehren­dok­tor der Uni­ver­si­tät Tübin­gen und Träger der Goethe-Medail­le des Goethe-Insti­tuts sowie des Großen Ver­dienst­kreu­zes des Ver­dienst­or­dens der Bun­des­re­pu­blik Deutschland.