Isang Yun

Als Isang Yun 1917 in der Nähe der südöstlichen Hafenstadt Tongyông geboren wurde, stand die koreanische Halbinsel unter japanischer Fremdherrschaft. Yun beteiligte sich am anti-japanischen Widerstand, wurde 1943 verhaftet und gefoltert. Mit dem Kulturpreis der Stadt Seoul (1955) ausgezeichnet, konnte er 1956-59 in Paris und Berlin studieren. In Berlin lernte er bei dem Schönberg-Schüler Josef Rufer das Komponieren. Von Deutschland aus fand er den Anschluss an die internationale Avantgarde.
Viel beachtet wurde 1965 das buddhistische Oratorium Om mani padme hum; mit der Uraufführung des Orchesterstücks Réak in Donaueschingen gelang 1966 der internationale Durchbruch. 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst nach Seoul entführt und gefoltert wurde Yun des Landesverrates angeklagt. In einem politischen Schauprozess in erster Instanz zu lebenslänglicher Haft verurteilt, kam er nach internationalen Protesten 1969 frei. 1971 wurde er deutscher Staatsbürger.
Von 1970 bis 1985 lehrte Yun Komposition an der Hochschule der Künste Berlin, seit 1974 als Professor. Sein OEuvre umfaßt mehr als hundert Werke, darunter vier Opern sowie mehrere Instrumentalkonzerte. In den achtziger Jahren entstanden fünf große, zyklisch aufeinander bezogene Symphonien. Aus dieser Zeit stammen auch seine Kammermusikwerke, die durch das Streben nach Harmonie und Frieden gekennzeichnet sind. Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel war zugleich sein politisches Ziel.
Das OEuvre Isang Yuns ist geprägt vom flexiblen, lebendigen Ton der traditionellen Musik seiner Heimat. In seinen Werken verschmelzen allerdings Östliches und Westliches zu einem singulären Personalstil, der Kunst des gleitenden Übergangs aus dem Geiste des Tao.
Isang Yun starb 1995 in Berlin. Er war Mitglied der Akademien der Künste in Hamburg und Berlin sowie der Academia Scientiarum et Artium Europaea in Salzburg, Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, Ehrendoktor der Universität Tübingen und Träger der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts sowie des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.